Story

Jonas erzählt die Geschichte hinter den Sons

Mein Großvater verbrachte fast sein ganzes Leben im schönen Altmühltal. Manche mögen den Ort Dollnstein vielleicht wegen seinem prägnanten Jura-Kletterfelsen „Burgsteinfelsen“ kennen, manche aus dem Parzival (tatsächlich erwähnte Wolfram von Eschenbach mal den Ort Tolenstein, das ist jetzt kein Witz sondern ganzer Stolz einer 2000 Seelen Gemeinde), manche eben wegen dem schönen Fluß Altmühl (weltweit der einzige wissenschaftlich nachgewiesene Fluß, der so langsam fließt, dass er tatsächlich rückwärts fließen kann, sofern er Bock drauf hat) wieder andere fragen sich jetzt: wen interessiert´s, ich kenn es nicht und was hat das bitte mit einer Indie-Pop Band zu tun?!

Auch die Innenstadt kann schon weit weg sein

Uno momento per favore: Mein Großvater hieß Isidor, und dieser Name, der geht easy ins Ohr. „Ach, du machst Musik, Jonas?“, das waren seine Worte, als ich mal von der Band erzählte. Eigentlich ist das jetzt nicht so überraschend gewesen, da auch mein Dad schon immer mit verschiedenen Bands unterwegs war und irgendwo immer aus unserem Haus Musik schallte. Ein Apfel fällt ja bekanntlich nicht weit vom Stamm, oder? Aber macht ja nichts, ich mein, hätte es Isidor nicht gegeben, hätte es meinen Dad nie gegeben, dementsprechend auch mich nicht und die Band dann auch nicht, keinen Live Stream am 06.06. aus der Funkstation und diesen Text eh nicht. Ganz klar. Also: Merci dir Isi, merci dir Mama, merci dir Baba und here we go Sons Of Isy. Raus aus dem Keller der Funkstation. Szene. Check.

Den Van kriegen wir nur, wenn Claudius Freundin noch nichts vorhat;-)

Vor knapp 3 Jahren erblickte die Band Sons Of Isy, das Licht der Welt, oder die Scheinwerfer der Bühnen, wenn man so mag. Und ich schwöre: Dieser Typ Rainer Zufall war an allem Schuld. Claudius, Drummer und mein ehemaliger Sport Kommilitone, stolperte mir beim Sound Of Munich Now über die Füße und ich erzählte ihm noch während dem Aufhelfen von den Proberäumen in der Funkstation. Tomek (Bassist, hauptberuflich Tata und bis dahin ein mir völlig unbekannter Zeitgenosse) übernahm kurze Zeit später die freie Medienpädagogen Stelle im Haus und die Basis war somit gelegt. Tomek meinte mal, das mit den Bands und Musik machen habe er eigentlich durch, aber seine Kinder seien jetzt alt genug, um endlich mit auf Konzerte zu kommen und Erlebnisse sind nun mal glaubhafter als all die Geschichten, die wir uns erzählen und auch gern hören. Ich sag mal so: Zum Glück hat er das so ernst genommen! Denn erstens, haben wir jetzt immer jemanden für den Merch-Stand, und zweitens, haben wir in ziemlich kurzer Zeit ein cooles Projekt hochgezogen. Album Release soon to come. 

Die Funkstation wurde für uns somit das, was Boris Becker in seinem Metier zu seiner besten Zeit einst sein Wohnzimmer nannte. Nur, dass keine Bälle per hart geschnittene Asse oder Longlines flogen, nein, es flogen Harmonien aus Akkorde, Basslinien zum Grooven und Beats zum Dancen. Zweimal die Woche wurde hingebungsvoll im schmucken Proberaum der Funkstation geprobt,  kurze Zeit später entstanden in denselben Räumlichkeiten unsere ersten Aufnahmen (3/4 EP). Songs für die Ewigkeit, diese gibt es auch Indie-individuell und Undercover, nicht nur im Pop-Kapitalismus der Charts (ich mein, wer erinnert sich denn in 20 Jahren noch gern an Herrn Gabalier? Nicht bekannt sein kann auch cool sein und kommt dann aufs Gleiche raus.), wurden ebenfalls feingeschliffen (Minga, du Perle) und im Saal gaben wir später als Hausband unser Set zum Besten. Als das nicht mehr genug war, zogen wir raus, von der Funkstation aus hinaus in die weite Welt. Auch die Innenstadt kann schon weit weg sein und außerhalb Bayerns trauen sich ja eh nur die tollkühnsten Musiker auftreten. Und wir eben auch.

Zudem: Wer hätte gedacht, dass Auswärtsgigs wieder ein Gefühl von Klassenfahrt aufleben lassen können? Das ist wirklich so und ich hätte auch gar nicht mehr gewusst, wie sich Klassenfahrt eigentlich nochmal angefühlt hat. Aber ein Van voller Instrumente, drei Kumpels, ein Fotograf und ein entferntes Ziel (inklusive falsches Abbiegen: Jungs, ihr hattet einen Job! Einen!) plus ein wenig Wegverzehrung: Das kommt hin.

„Ach, du machst Musik, Jonas?“

Lieber Tomek, lieber Claudius, Musik kann kompliziert sein, aber dafür gibt’s ja die Klassik oder Heavy Metal und Instrumente mit mehr als 6 Saiten oder 5 Trommeln und ein paar blecherne Becken. Pop, der geht nicht nur Mainstream, sondern auch Indie und am besten geht er mit euch, immer fresh und einfach Isy rein ins Ohr, bis der Fuß lässig zum Beat wackelt. Und irgendwann singen die Leute auch mit. Wir sehen uns im Proberaum der Funkstation.

P.S.: Ich krieg noch 5,50 von euch beiden, von der letzten Zugfahrt. Merci!

Nachtrag: Den Van kriegen wir nur, wenn Claudius Freundin noch nichts vorhat;-)